Zwischen Spielkisten und Gemeinschaft
Town & Country Stiftung unterstützt die Offene Behindertenarbeit Altötting
Wer an einem Samstagvormittag die Räume der Evangelisch-Lutherischen Kirche „Zum Guten Hirten“ in Altötting betritt, hört zuerst das Wuseln der Kinder aus den Gruppenräumen. Zwischen Spielteppichen, Bausteinen und Bastelsachen treffen sich hier die Gruppen des familienentlastenden Dienstes (FED) der Offenen Behindertenarbeit (OBA) Altötting des Diakonischen Werks Traunstein e.V. Für viele Familien sind diese Stunden weit mehr als ein Freizeitangebot – sie bedeuten Entlastung, Gemeinschaft und ein Stück Alltag ohne Sorgen.
Die eigentlichen Räume der OBA reichen für die große Nachfrage längst nicht mehr aus. Deshalb werden regelmäßig Räume der Kirche angemietet. Einmal im Monat beginnt der Tag für Fachkräfte und Ehrenamtliche deutlich früher: Spielmaterialien, Bastelsachen, Verpflegung und Ausstattung werden aus der OBA hinübergetragen, aufgebaut und später wieder zurückgebracht. Ein organisatorischer Kraftakt, der Monat für Monat notwendig ist, damit die Gruppen überhaupt stattfinden können.
Genau hier setzt das Projekt „Andersgleich – Inklusion spielend erleben“ an, das nun von der Town & Country Stiftung mit 1.000 Euro unterstützt wurde. Die Förderung ermöglicht den ersten Schritt hin zu einer mobilen Spielesammlung sowie zu passenden Transport- und Aufbewahrungslösungen, die den Alltag der Gruppen spürbar erleichtern sollen. Gleichzeitig ist dies aber erst der Anfang, denn der Bedarf bleibt weiterhin groß und der Ausbau muss Schritt für Schritt weitergedacht werden.
„Jeden Monat tragen wir unzählige Kisten, Spielsachen und Materialien zwischen den Standorten hin und her“, erzählt Daniela Thalhammer, verantwortliche Fachkraft für die familienentlastenden Dienste. „Mit mobilen Spielmaterialien können wir deutlich flexibler arbeiten und den Kindern bessere Spiel- und Bastelangebote ermöglichen.“ Die Materialien werden nicht nur in den Gruppen vor Ort eingesetzt, sondern kommen auch in der heilpädagogischen Praxis, in der Einzelförderung sowie in Kindergärten mit Integrationsplätzen zum Einsatz. So profitieren insgesamt über 100 Kinder von den Spiel- und Förderangeboten. Viele von ihnen leben mit Entwicklungsverzögerungen oder körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen. Gleichzeitig entstehen damit Orte der Begegnung, die im Alltag oft fehlen, hier aber gemeinsames Spielen, Lernen und ein selbstverständliches Miteinander ermöglichen.
Ob solche Angebote stattfinden können, hängt maßgeblich von Spenden ab. Familien von Kindern mit anerkanntem Pflegegrad können Leistungen des familienentlastenden Dienstes über sogenannte Entlastungsleistungen nutzen. Familien, deren Kinder noch keinen Pflegegrad haben oder knapp an der Grenze liegen, fallen jedoch häufig durch dieses System, obwohl der Unterstützungsbedarf bereits hoch ist. „Gerade diese Familien brauchen dringend Entlastung, erhalten aber oft noch nicht die Hilfen, die eigentlich notwendig wären“, erklärt Manuela Weiß, Einrichtungsleiterin der OBA Altötting. „Damit wir auch diesen Kindern Teilhabe ermöglichen können, sind wir auf Spenden angewiesen. Viele unserer Angebote könnten ohne diese Unterstützung nicht bestehen.“
Seit 2013 steht der Town & Country Stiftungspreis für Chancengleichheit und Gemeinschaft. Deutschlandweit unterstützt die Stiftung dieses Jahr 300 Projekte mit jeweils 1.000 €, um die wertvolle, oft ehrenamtliche Arbeit für sozial, geistig oder körperlich benachteiligte Kinder und Jugendliche zu fördern. Zwölf besonders herausragende Projekte werden im Rahmen der Town & Country Stiftungsgala am 9. Mai 2026 mit zusätzlichen 5.000 € ausgezeichnet. Eine unabhängige Jury wählt die Projekte aus.
Erstmalig wird bei der Town & Country Stiftungsgala auch ein Sonderpreis vergeben. Unter dem Motto „Jung trifft Alt – Begegnung, die verbindet“ werden zwei Projekte, die auf kreative Weise intergenerative Begegnung stiften und Austausch zwischen Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen ermöglichen, mit 10.000 Euro für den 1. Platz und 5.000 Euro für den 2. Platz gefördert.
Die jetzt erfolgte Spendenübergabe fand direkt während eines Gruppentreffens statt. Oliver Zahn, Stiftungsbotschafter der Town & Country Stiftung und Geschäftsführer der Inn-Salzach Massivbau GmbH, zeigte sich beeindruckt vom Engagement vor Ort: „Ich habe großen Respekt vor dieser Arbeit. Besonders der enorme organisatorische Aufwand, den Fachkräfte und Ehrenamtliche der Diakonie jeden Monat leisten, ist beeindruckend. Sie schaffen damit echte Entlastung für Familien und wertvolle Gemeinschaft für die Kinder.“
So entsteht in Altötting Monat für Monat ein Ort, an dem Inklusion ganz selbstverständlich gelebt wird, getragen von Menschen, die mit großem Einsatz dafür sorgen, dass niemand ausgeschlossen wird.
