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Frau Wimmer
Frau Wimmer

Mittagessen im Chiemgau-Stift (Michaeliplatz)

Freitag, 13.08.2021

Im Chiemgau-Stift versuchen wir mit Hilfe von unterhaltsamen und manchmal auch ungewöhnlichen Veranstaltungen den Alltag zu unterbrechen und den Bewohnerinnen und Bewohnern etwas Besonderes zu bieten. Über solche Aktionen zu berichten, fällt leicht. Selbstverständlich gibt es aber auch einen Alltag, doch wie sieht dieser aus? Auch hierzu ist es einfacher, Einblicke aus den Wohngruppen mit noch rüstigeren Bewohnern zu geben, aber wie verhält es sich mit den Wohngruppen mit demenzkranken Bewohnern? Dürfen wir auch hier Bilder oder Filme vom Alltag zeigen?

Uns ist es wichtig, offen und transparent über unsere Arbeit zu berichten, doch dazu braucht es das Einverständnis der Betroffenen oder der Angehörigen, sofern die gezeigten Personen das selbst nicht mehr so richtig beurteilen können. In diesem Sinne hat es uns sehr gefreut und beeindruckt, dass die Angehörigen der Bewohner, die in den folgenden Filmbeiträgen zu sehen und zu hören sind, einer Veröffentlichung zugestimmt haben. Mit dieser Veröffentlichung hoffen wir, drei Ziele zu erreichen:

  1. Einen realistischen Einblick in den Alltag einer Wohngruppe mit demenziell erkrankten Bewohnern zu geben. In dem Beitrag handelt es sich um eine Essenssituation.
  2. Anhand der Beispiele zu zeigen, wie wir versuchen, die Lebenswelt der demenzkranken Bewohnerinnen und Bewohner zu verstehen, in geeigneter, würdiger und zugewandter Form zu interagieren und damit vielleicht auch pflegende Angehörige und Pflegekräfte anzuregen und zu ermutigen.
  3. Zudem gilt es, immer wieder neu auch unser eigenes Handeln zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Auch wir als Pflegeprofis sind vor Fehlern nicht gefeit, wie in den folgenden Filmen zu sehen ist. Entscheidend ist für uns dabei jedoch nicht, ob Fehler passieren, sondern wie wir mit Fehlern umgehen, daraus lernen und es künftig besser machen.

Nachfolgend ist nun jeweils ein kurzer Film zu sehen, zu dem wir im Anschluss unsere Gedanken und Erkenntnisse erläutern.

Film 1:

Schon auf den ersten Blick fällt der Fehler auf: Selbst ohne jegliche körperliche oder geistige Einschränkung ist es eine Herausforderung, Nudeln mit Soße nur mit einer Gabel zu essen. Daher wäre es besser gewesen, einen Löffel anstatt einer Gabel zu decken. Unsere Bewohnerin, Frau Wimmer, hätte von sich aus nicht nach einem Löffel gefragt. Das zu bemerken erachten wir als unsere Aufgabe, zumal unschwer zu erkennen ist, um wie viel leichter damit das Essen fällt.

Übrigens kommt es häufig vor, dass Bewohner sich mit einem dauerhaften Laut bemerkbar machen. Vor allem für nicht demenzkranke Bewohner ist das oft sehr belastend, daher hat sich eine möglichst homogene Gruppenstruktur bewährt.

Film 2:

Die Essenssituation zeigt, wie wichtig unser Wohngruppenkonzept mit den großen Wohnküchen für das Wohlbefinden unserer Bewohner ist. Durch das Zubereiten der Speisen und das Kochen in den Gruppen, wird bereits lange vor dem Essen der Appetit angeregt. Aufgrund der Größe der Wohnküchen ist es zudem möglich, die Privatsphäre und Vorlieben der einzelnen Personen zu achten. So können wir es berücksichtigen, wenn jemand beim Essen lieber alleine oder in Gemeinschaft sitzt oder wenn eher mehr Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme notwendig ist, ohne die anderen dabei zu stören.

Film 3:

Herrn Hausen scheint das Essen sehr gut geschmeckt zu haben. Zudem gibt es Anzeichen dafür, dass er gerne noch einen Nachschlag hätte. Einer diesbezüglichen Nachfrage stimmt er zu.

Film 4:

Herr Hausen isst mit großem Genuss die zusätzliche Portion, obwohl er von sich aus nicht nachgefragt hätte. Frau Wimmer hat zwischenzeitlich ihre Mahlzeit beendet, „etwas Süßes“ möchte sie jedoch nicht. Dafür lässt sie sich aber gerne anregen, zumindest einmal einen Blick auf die Nachspeise zu riskieren.

Film 5:

Welche Überraschung: Als Frau Wimmer die Nachspeise sieht, gibt sie klar und deutlich zu erkennen, dass die Nachspeise lecker aussieht. Zudem scheint sie Erinnerungen an frühere Jahre auszulösen. Nun probiert sie gerne, und prompt schmeckt es ihr offensichtlich sehr gut, wie sie mehrmals betont.

Film 6:

Für die Gesundheit im Alter hat eine ausgewogene und ausreichende Ernährung eine große Bedeutung, doch selbst die Nahrungsaufnahme wird durch eine demenzielle Erkrankung erschwert. Oft fällt die Orientierung oder das Erinnern, was in der jeweiligen Aktion nacheinander zu tun ist, zunehmend schwer oder ist gar nicht mehr möglich.

Der Film hat gezeigt, wie Frau Wimmer plötzlich nichts mehr mit der vor ihr stehenden Nachspeise anfangen kann, obwohl sie diese vor wenigen Momenten noch mit sichtbar großem Genuss aß. Auch beim nochmaligen Versuch, scheint es ihr richtig gut zu schmecken, dennoch stellt sie die Schlüssel plötzlich zur Seite. Es braucht wenig Fantasie, um sich vorzustellen, was in dieser Situation wohl passieren würde, wenn nun Druck auf sie ausgeübt würde, weiter zu essen.

Beim nächsten Anlauf nach erneuter Anregung hält sie den Löffel verkehrt herum, ohne sich dessen bewusst zu sein. Die Hilfestellung erfolgt einfühlsam und beiläufig. Prompt schmeckt Frau Wimmer die Nachspeise auch dieses Mal ganz offensichtlich gut. Zudem wirkt sie so, als ob sie die Nachspeise das erste Mal probiert hätte.

Film 7: Ein Schlusswort von Betreuerin und Bewohnerin…

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