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Projektabend “Leben Im Augenblick” – 50er Jahre Modenschau Der Chiemgau-Stift Bewohner
Zu großer Form liefen die Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenheims Chiemsee-Stift bei ihrer Modenschau im Stil der 50er-Jahre auf – ausgestattet und aufgestylt von Profis: für sie alle eine Reise zurück in die eigene Jugend, die in ihnen viele Erinnerungen hoch brachte und den Lebensgeist weckte.

Projektabend “Leben im Augenblick” – 50er Jahre Modenschau der Chiemgau-Stift Bewohner

Eine anrührende Rückkehr in die 50er Jahre erlebten die gut 100 Besucher beim Projektabend „Leben im Augenblick“ des Diakonischen Werks Traunstein im Gasthaus Hörterer in Hammer. Ein Dutzend an Demenz erkrankte oder altersbedingt eingeschränkte Bewohnerinnen und Bewohner des Inzeller Seniorenheims Chiemgau-Stift hatten sich im Stil der damaligen Mode ausstatten und schminken lassen und prominierten, begleitet vom musikalischen Schmelz jener Zeiten, dann vor den Gästen auf dem Laufsteg – in faszinierender Lebensfreude und ansteckender Begeisterung.
Beate Hamm, Pflegedienstleiterin im Chiemgau-Stift, die zusammen mit Christine Trautner, der Teamleiterin soziale Betreuung, dieses Projekt im Wesentlichen initiiert und organisiert hatte, fasste dessen Hintergrund und Bedeutung zusammen: „Wir wollten damit zeigen, dass wir hier zwar alte Menschen betreuen, die an Krankheiten und Schmerzen leiden, die aber trotzdem noch voll im Leben stehen. Dies wird von der Gesellschaft oft ein bisserl übersehen.“ Tatsächlich seien diese Menschen manchmal sogar ein wenig zu beneiden: „Worüber wir uns viele Gedanken machen, das ist ihnen völlig egal. Wir könnten davon viel lernen – nämlich im Augenblick zu leben“; aus dem Grund hat das Projekt auch diesen Titel bekommen.
Im Mittelpunkt des Abends stand dann der Catwalk der alten Menschen, jeder von ihnen begleitet – ebenfalls passend herausgeputzt – von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Chiemgau-Stifts, in zwei Fällen von ihren Frauen. In zwölf Auftritten zeigten sie sich die Damen und Herren in modischen Kleidern, in eleganter Hose und im Frack, mit den unvermeidlichen feinen Hüten, die Frauen alle mit der unverzichtbaren Handtasche ausgestattet – alle miteinander in vornehmem Outfit, das auch dadurch nicht beeinträchtigt wurde, dass manche von ihnen der Hilfe des Rollators bedurften. Stresemann-Hose, Petticoats, Melone, Knickerbocker, die vornehmen Kopfbedeckungen der Damen – das Ganze war tatsächlich eine Reise zurück in die eigene Jugend, aber nicht nur für die Teilnehmer, sondern sicherlich auch für manchen Besucher. Dabei ging es nicht nur elegant zu – für den Besuch im Café oder Kino, für die Promenade am Sonntagnachmittag, auch sportliche Herren, ausgestattet fürs Wandern oder Motorradfahren, zeigten ihre schicke Ausrüstung.
Und wenn sie auch alle beim Hereingehen aus dem Nebenraum noch etwas verunsichert wirkten, angesichts der großen Besucherschar – das Klatschen der Gäste, die einschmeichelnde Musik und die Ermutigung durch die Begleiter ließen die „Models“ auf dem Catwalk schnell in beste Stimmung kommen. Ein Lächeln stahl sich auf ihre Gesichter, sie winkten den Gästen strahlend zu, machten kleine Späßchen – es war geradezu rührend, die Freude der alten Menschen zu erleben. Für sie war es ganz bestimmt ein Erlebnis, das ihren Alltag wesentlich aufgehellt hat.
Dabei waren sie ja schon fast Modenschau-Profis. Denn schon vor etlichen Wochen hatte eine ähnliche Präsentation im Chiemgau-Stift stattgefunden. Auch dort waren sie in dieser Weise ausstaffiert und gestylt worden – für ein Kalender-Projekt. Denn das Diakonische Werk hat diesen modischen Auftritt der Heimbewohner auf Fotos festhalten lassen und daraus einen Kalender produziert, der an dem Abend in Hammer vorgestellt wurde und für 15 Euro im Heim und beim Diakonischen Werk in Traunstein erworben werden kann.
Auch Fotograf Tom Freudenberg und die Visagistin Karoline Dootz zeigten sich im Gespräch mit Diakonie-Vorstand Andreas Karau beeindruckt von der Lebensfreude der Heimbewohner, trotz deren Demenzerkrankung oder altersbedingten Einschränkung. Die Stimmung sei beim Shooting hervorragend gewesen, so Freudenberg, es sei gar nicht viel Regie notwendig gewesen, sie alle hätten viel Spaß dabei gehabt. Karoline Dootz erzählte, dass es beim Schminken – für die meisten zum ersten Mal in ihrem Leben – behutsame, einfühlsame Gespräche gegeben habe und dass sie fasziniert gewesen seien von der Veränderung, der sie im Spiegel zuschauen konnten: „Dabei ist ganz plötzlich die Körperhaltung eine andere geworden, und sie haben aus ihrer Jugend erzählt.“
Auch die Ehefrauen, die an der Modeschau teilnahmen, nahmen das Projekt „Leben im Augenblick“ als eine schöne Abwechslung für ihre Männer wahr und hatten daher gern dabei mitgemacht. Und eine von ihnen stellte fest, ihr Mann, der zeitlebens nie ein großer Tänzer gewesen sei, sei bei dieser Modenschau so richtig aus sich herausgegangen. In zwei Videos, die im Anschluss gezeigt wurden, bekamen die Besucher einen Einblick in die fröhliche Atmosphäre und die „tollen Augenblicke“ beim Foto-Shooting im Heim.
Am Schluss oblag es Pflegedienstleiterin Beate Hamm, die ob des gelungenen Abends über das ganze Gesicht strahlte, all den vielen zu danken, die bei diesem doch sehr aufwendigen Projekt mitgeholfen hatten: den Bewohnern des Chiemgau-Stifts, ihren Angehörigen sowie ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden, den Fotografen und Stylisten, dem Café Weinmüller in Siegsdorf, das für das Fotoshooting Mobiliar zur Verfügung gestellt hatte, dem Kostümverleih Ruff in Traunstein für die passende Kleidung, der Firma „Neuzeit“ in Traunstein für den Modeschmuck sowie der Dieter und Edith Seidel Stiftung und der Dr. Johannes Heidenhain-Stiftung für die finanzielle Unterstützung.

Text: Hans Eder

Aus dem BR Fernsehen:

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