Bonhoeffer-Preis soll Jugendliche zu sozialem Engagement ermutigen
Traunreut (he). Schülerinnen der Volksschule Piding, eine Jugendgruppe des SC Vachendorf und Studierende der Fachakademie für Sozialpädagogik in Mühldorf: Das sind junge Leute, die mit ihren Aktionen für andere Jugendliche Vorbild in sozialem Engagement sein können. Deshalb sind sie mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Preis der Förderstiftung des Diakonischen Werks ausgezeichnet worden, der im Wilhelm Löhe Zentrum in Traunreut überreicht worden ist.
Projektteam der Volksschule Piding mit Margarete Winnichner (links) und Dekan Gottfried Stritar und Stiftungsrat Fritz Stahl (von rechts)
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Der erste Platz ging an das Projektteam der Volksschule Piding, unter Anleitung von Konrektorin Uta Ametsbichler. Schülerinnen der 8. Klasse hatten ein Faltblatt gegen sexuellen Missbrauch erstellt und die Thematik in verschiedenen Klassen in fünf Schulen des Landkreises Berchtesgadener Land vorgestellt. Den zweiten Platz erreichten die Jugendlichen des SC Vachendorf: Sie hatten zusammen mit Jugendleiter Thomas Hoffmann eine Präsentationsveranstaltung zum Thema „Sucht- und Gewaltverhalten" organisiert. Dazu waren knapp 100 Besucher gekommen. Der dritte Platz schließlich wurde an die 2. Klasse der Mühldorfer Fachakademie vergeben: Über 80 Schüler hatten ein Projekt „Rechtsradikalismus gestern und heute" erarbeitet und sich im Rahmen des Psychologie- und Pädagogikunterrichts selbstständig mit dieser Thematik auseinandergesetzt.
Margarete Winnichner, für den Bonhoeffer-Preis zuständige Fachbereichsleiterin beim Diakonischen Werk, würdigte die angehenden Erzieherinnen: „Toll, dass ihr euch mit diesem Thema beschäftigt habt!" Bei der Jugendgruppe des SC Vachendorf hob sie heraus, dass sie den Mut gehabt haben, sich öffentlich gegen Alkohol- und Drogenkonsum zu stellen. Denn es sei ganz besonders wichtig, dass dies Gleichaltrige tun; dies werde von den Jugendlichen meist mehr zur Kenntnis genommen als von Erwachsenen. Sehr beeindruckt gewesen sei die Jury, so Winnichner zum ersten Preis, von dem Präventionsprojekt gegen sexuelle Gewalt mit den Mädchen von der Volksschule Piding. In diesem Bereich, sagte Winnichner, habe sie selber lange Jahre ehrenamtlich gearbeitet. Junge Frauen über dieses Thema zu informieren, ihnen Verhaltensmaßregeln ans Herz zu legen und sie über Hilfsangebote aufzuklären, sei enorm wichtig. „Es ist gut, dass diese Informationen auch an anderen Schulen weitergegeben worden sind."
Gegen Alkohol- und Drogenkonsum: Die Jugendgruppe des SC Vachendorf
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"Dem Rad in die Speichen greifen"
Dekan Gottfried Stritar stellte in seiner Begrüßung die Person des Namensgebers des Preises, des evangelischen Pfarrers und Theologen Dietrich Bonhoeffer in den Vordergrund. Er habe schon ab 1933, dem Jahr der Machtergreifung, deutlich sein Missfallen über das Nazi-Regime, vor allem wegen der Judenverfolgungen zum Ausdruck gebracht. Bonhoeffer hat auch zum weiteren Umfeld der Gruppe gehört, die am 20. Juli 1944 für das Hitler-Attentat verantwortlich war. Und er hatte sich viele Gedanken darum gemacht, ob es einem Christen erlaubt sei, aktiven Widerstand zu leisten. Bonhoeffer brachte, wie Stritar schilderte, sein Fazit in einem Beispiel zum Ausdruck: „Wenn ein Betrunkener mit dem Auto fährt, genügt es nicht, das Opfer unter dem Rad zu verbinden, man muss dem Rad selbst in die Speichen greifen."
Studierende der Fachakademie für Sozialpädagogik Mühldorf überzeugten mit dem Projekt "Rechtsradikalismus gestern und heute"
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Die Festrede hielt der Traunsteiner Alt-Oberbürgermeister Fritz Stahl. Er gab den Preisträgern den Ratschlag mit, zwar einerseits fest auf dem Boden der Tatsachen zu stehen, andererseits aber auch zu träumen; denn „wer nicht träumt, versucht nicht Barrieren zu überwinden." So mache das Projektteam der Volksschule Piding Mut zum eigenen Willen und zum Nein-Sagen. Die Vachendorfer gestalteten Gemeinschaft aktiv mit, fordern dazu auf, sich nicht krank machen zu lassen, und stellen sich gegen Kraftmeierei. Die Akademie Mühldorf schließlich mache aufmerksam auf die politische Gewalt, die im Kleinen und mit dem Verächtlich-machen anderer beginne.
Stahl: „Wir brauchen Menschen jeden Alters, die aufmerksam sind, sich die Freiheit nehmen, ihre Meinung ohne Besserwisserei zu sagen. Geschieht das ernst und fröhlich zugleich, dann hören wir besser zu." So stellte Stahl die Projekte der drei Preisträger-Gruppen unter die drei Begriffe „Festigkeit, Freiheit und Fröhlichkeit". Dabei sei es aber wichtig, Halt in der Gemeinschaft und durch Freunde zu haben, „die mitmachen, die helfen, warnen, aufrichten und Freiraum lassen". Die Preisverleihung im Saal des Wilhelm-Löhe-Zentrums umrahmte Stefan Starzer mit virtuosen Gitarrestücken.
Hans Eder (he)
freier Journalist

