Wilhelm Löhe Förderzentrum Traunreut
Förderschwerpunkte Lernen, geistige Entwicklung, schulvorbereitende Einrichtung

Die Geschichte des Wilhelm Löhe Förderzentrums

Fr. Risse, ehemalige Schulleiterin der Wilhelm Löhe Schule erinnert sich an die ersten Jahre der "Heimhilfsschule" in Traunreut:

Bild: Geschichte

In den 50er Jahren hatte die Ev. Kirche Traunstein das Gelände an der Wichern Straße in Traunreut erworben. In den Häusern, die aus der Kriegszeit stammten, gab es den Grundlehrgang für Mädchen, das Lehrlingswohnheim, ein Wirtschaftsgebäude und ein Kinderheim.

Träger der Einrichtungen war die Innere Mission.

Im Mai 1958 zeichnete es sich ab, dass das Lehrlingsheim nicht mehr sehr frequentiert war und man über eine neue Verwendung nachdachte. Dekan Kelber fragte mich, ob ich bereit wäre als Lehrerin an eine Hilfsschule nach Traunreut zu gehen. Ich hätte ein Zusatzstudium gebraucht, mit 5-jähriger Verpflichtung, an der Hilfsschule zu unterrichten. Vom Plan bis zur Ausführung sollte noch einige Zeit verstreichen. Im Oktober 1960 wurde der Plan bei einer Tagung der Obb. Jugendamtsleiter mit der Inneren Mission diskutiert.

Am 18.5.61 wurde der Antrag zur Eröffnung der Heimhilfsschule gestellt; ein österr. So-Oberlehrer konnte für 2 Jahre gewonnen werden. Das bisherige Wirtschaftsgebäude wurde zum Schulhaus umgebaut mit 3 Klassenzimmern, das Dach wurde um einen Meter gehoben und Wohn- und Schlafräume für eine Bubengruppe eingebaut.

Im September 61 waren die ersten Kinder aufgenommen worden und nach 4 Monaten Provisorium konnte am 26.1.62 das Schulhaus eingeweiht werden.

Anfangs besuchten 27 Kinder die Hilfsschule. Anfragen an die einzige Hilfsschule mit Internat in Südostbayern kamen in Massen - Kinder aus Volksschulen, vom Elternhaus ohne Schulbesuch, vom Nervenkrankenhaus Haar, von der Heckscher Klinik München und auch von anderen Hilfsschulen, wenn Heimunterbringung nötig war. So musste im Schuljahr 62/63 mit einer 2. Klasse begonnen werden. Im September 62 trat ich meine Dienst in Traunreut an. Es gab eine Oberstufe mit 27 Kindern und meine Unterstufe mit 33 Kindern. Der Klassenraum hatte 35 qm. Da wurde schon oft die Luft knapp. Ich hatte auch nur einen kleinen Tisch für meine Vorbereitungen und wenn es auf dem Gang ruhig war, konnte ich mal für einige Zeit die Tür auflassen.

Bild: Geschichte

Von den 60 Schülern waren 53 im Internat, betreut von 3 Erzieherinnen - an eine 40 Stundenwoche war da nicht zu denken. Zur Entlastung des Heimes wurde unterrichtet an 6 Tagen von 8 Uhr 30 bis 12 Uhr und an 4 Tagen von 14 - 16 Uhr. Ein eigenes Auto existierte bei den meisten Erziehern nur als Wunschtraum. Nach Dienstbeginn gab es oft Enttäuschung über den häufigen Wochenenddienst, aber bald stellte man fest, dass ein freier Tag unter der Woche auch seine Vorteile hatte - am Wochentag fuhren öffentliche Verkehrsmittel viel häufiger als am Sonntag.

Die Anfragen nach Heimplätzen nahmen beständig zu, auf einen Entlassschülerplatz kamen ca. 10 Anmeldungen. In den Häusern des Heimes wurde viel umgebaut, Dachboden ausgebaut - aber zusätzlicher Schulraum stand nicht zur Verfügung. Im Oktober 67 konnte aus dem Spendenfond der Aktion Sorgenkind ein Fertigbau im Garten aufgestellt werden, bestehend aus einem Klassenzimmer und dem so nötigen Werkraum. Von 1970 bis 1972 hat die Stadt Räume im alten Schulhaus an der Finkensteiner Straße zur Verfügung gestellt. Seit 1970 wurde an der Salzburger Str. für Heim und Schule gebaut. Im Frühjahr 1970 konnten wir mit einer Ganztagesbetreuung externer Schüler beginnen, sie erstreckte sich über die Zeit nach Schulschluss bis 17 Uhr und fand in einem Klassenzimmer statt (später Tagesstätte). Im September 1972 durfte die Schule in eine Baustelle einziehen, nur das Obergeschoss des Hauses war zu benützen. Es hatte aber für uns den Vorteil, vor Ort zu sein und Wünsche beim Architekten und den Firmen anzubringen.

Bild: GeschichteAm 25.7.1973 konnte die Einweihung von Heim und Schule vollzogen werden. Die nun schon 12 Jahre alte Einrichtung erhielt in den neuen Häusern die Namen "Wilhelm Löhe Schule" und "Wilhelm Löhe Heim".


 
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